Was Kostet ein Haustier

Verfasst: Michael Schnabel

„Mami schenke mir ein Pferdchen. Ein Pferd, das wär‘ mein Paradies“, sang vor Jahren ein Kinderstar. Ja, welches Mädchen im Teenageralter möchte nicht ein eigenes Pferd besitzen? Und dann locker und fröhlich durch Wiesen, Felder und Gärten reiten, wie die jungen Frauen in romantischen Filmen?

Wenn da nicht die Kosten für ein Pferd wären. Vielen Eltern ist sofort klar, ein Pferd können wir uns nicht leisten, auch wenn der Wunsch der Kinder noch so groß und ihr Flehen noch so eindringlich sind. Allein die Anschaffung eines Pferdes verschlingt schon eine erkleckliche Summe. Will man ganz sparsam sein, dann findet man schon ein ungeliebtes und nicht zugerittenes Pferd um 1000 Euro. Jedoch ein Pferd, das sofort reitbereit ist, gibt es erst ab 1500 bis 2000 Euro. Und nach oben gibt es kaum Grenzen im Preis.

Wer nicht auf dem Land wohnt und wessen Eltern keine Landwirtschaft besitzen, auf den kommen noch erhebliche Kosten für Haltung und Pflege des Pferdes zu. Im unteren Bereich liegen die Kosten für die Unterstellung eines Pferdes bei 300 Euro pro Monat. Auf einem Pferdebetrieb mit Reithalle und sonstigen Extras können die Kosten auch bei 500 bis 600 Euro im Monat liegen. Neben der Anschaffung und Unterbringung des Pferdes entstehen noch Kosten für den Tierarzt und für die Reitausstattung, wie zum Beispiel für Sattel, Zaumzeug, Reiterhelm, Reithose, Stiefeln, Jacke.

Mit List, Beziehungen und Organisationstalent lassen sich die Kosten erheblich senken – manchmal sogar ganz wegrationalisieren! Wenn beispielsweise der Jugendliche oder die junge Frau bereit ist, im Reiterhof regelmäßig mitzuhelfen. In diesem Fall ist auch kein eigenes Pferd erforderlich. Wer beispielsweise unentgeltlich die Pferdeställe ausmistet und die Pferde putzt, der darf dafür die Pferde des Hofbesitzers auch reiten. Eine einvernehmliche Lösung! Mehr noch: Einige Pferdebesitzer sind froh, wenn ihre Pferde regelmäßig bewegt werden. Voraussetzung ist jedoch regelmäßige Mithilfe und Pflichtbewusstsein, denn nicht jedem x-beliebigen überlässt man gerne seine Pferde.

Natürlich ist diese Lösung für manche Kinder ein zu mühsamer Einsatz, vor allem, wenn nicht in allernächster Nähe ein Pferdebetrieb vorhanden ist. So kann sich manchmal der Wunsch nach einem Haustier schnell zu einem Hund oder zu einer Katze hinwenden.Was kosten Hund oder Katze?

Hund und Katze sind die beliebtesten Tiere in Familien. Unangefochten steht jedoch der Hund an erster Stelle. Auch die Anschaffung eines Hundes ist nicht gerade billig. Eine preiswerte Lösung ist der Hund aus dem Tierheim. Je nach Gegend verlangen die Tierheime 150 bis 300 Euro Schutzgebühr für einen Hund. Der große Vorteil dabei: Der Hund aus dem Tierheim wurde tierärztlich betreut, ist bereits geimpft und entwurmt und manchmal auch gechipt. Ein weiterer Vorteil: Viele Tierheime gewähren eine Probephase. So darf man den ausgewählten Hund zunächst mehrmals ausführen und erst wenn sich eine Beziehung entwickelt hat, fällt der Entschluss leichter und überlegter, den Hund für immer mit nach Hause zu nehmen. Zugleich werden dadurch gute Vorbedingungen für die regelmäßige Pflege und Betreuung durch das Kind geschaffen.

Der Hund vom Hundezüchter kostet ungefähr 300 bis 500 Euro. Bei ausgefallenen Rassen kann sich dieser Preis vervielfachen. Zu den Anschaffungskosten kommen noch Steuer und Hunde-Haftpflichtversicherung hinzu. In Großstädten liegt die Steuer bei ca. 150 Euro. Eine Hundehaftpflicht kostet ca. 80 bis 100 Euro im Jahr. Eine Haftpflichtversicherung ist unbedingt erforderlich, denn ohne Haftpflicht kann es mit einem Hund sehr teuer werden: Beispielsweise der Hund stößt beim Einkauf ein Regal um, er rennt in einen Radfahrer, er beißt in das Sofa der Freundin, schnell sind bei diesen Vorfällen tausend Euro und mehr im Spiel.

Dann braucht der Hund täglich sein Futter, die Kosten liegen zwischen 0,50 und 3 Euro. Billiger kommt man davon, wenn man für den Hund Fleischabfälle kocht – ist jedoch äußerst mühsam und zeitaufwändig! Bei der Anschaffung eines Hundes ist der Kauf einer Leine, eines Halsbandes, eines Korbes oder einer Hundehütte und einer Futter- und Wasserschüssel erforderlich. Gelegentlich fallen noch Tierarztkosten an, die bewegen sich in der Regel über 100 Euro. Der jährliche Aufwand summiert sich auf 500 bis 800 Euro. Beispielsweise rechnet der Verein für Deutsche Schäferhunde mit einem durchschnittlichen Gesamtaufwand für einen Schäferhund pro Jahr von 1000 Euro.Und wie steht es mit einer Katze?

Obwohl der Haustiger in der Regel erheblich kleiner ist als ein Hund, sind die Kosten kaum günstiger. Die tierärztlich versorgte Katze aus dem Tierheim kostet 100 bis 150 Euro. Bei Rassekatzen verhält es sich genauso wie bei Hunden: Sie können schon das Zehnfache der Tierheimkatze kosten. Auch eine geschenkte Katze verursacht Kosten: Denn eine erste Untersuchung beim Tierarzt ist unumgänglich. Hier wird die Katze gründlich untersucht, entwurmt und geimpft, kostet 50 bis 100 Euro.

Zur Erstausstattung einer Katze gehört eine Transportbox, ein Wasser- und ein Futternapf, ein Kratzbaum, eine Katzentoilette und ein Schlafkorb – kostet zusammen ca. 200 Euro. Die regelmäßigen Kosten für Futter und Leckereien belaufen sich auf 10 bis 30 Euro pro Monat. Für Katzenstreu und für einen einmaligen Tierarztbesuch im Jahr muss man mit jeweils 100 Euro rechnen. Also liegt man mit einer Katze im Jahr bei ca. 400 Euro, wenn nicht zusätzliche Probleme auftreten, wie z.B. eine Krankheit.Vielleicht doch nur ein Kleintier?

Sind Hund oder Katze zu teuer und vielleicht auch in der Wohnung schwierig zu halten, dann soll’s vielleicht ein Kleintier sein: ein Meerschweinchen, ein Hamster, ein Zwerghase oder ein Wellensittich. Die Anschaffung dieser Tiere belastet den Familienhaushalt kaum: Für 15 bis 30 Euro ist jedes der genannten Tier zu haben. Die nötige Erstausstattung, wie Käfig, Wasser- und Futternapf erfordern nachmals 50 bis 80 Euro. Die regelmäßig anfallenden Futterkosten dürften zwischen 10 und 30 Euro liegen. Die Tierheimseite im Internet (http://www.tierheimvelbert.de/ ) nennt folgende Kosten: „Kleintiere wie Kaninchen, Hamster und Meerschweinchen kosten ihrem Halter monatlich ca. 15 Euro. Hinzu kommen in allen Fällen eventuelle Tierarztkosten.“
Alles in allem kommt man mit 200 bis 300 Euro im Jahr für ein Kleintier gut hin. Rechnet sich ein Haustier?

Der Wert eines Haustieres kann nicht mit Heller und Pfennig aufgewogen werden. Und doch haben sich die Summen für ein Pferd, einen Hund oder eine Katze auf den ersten Blick ganz schön ausgewachsen! Zunächst ist der realistische und kritische Blick auf die Kosten unumgänglich, aber Übertreibungen schrecken ab und erweisen dem lobenswerten Vorhaben eher einen Bärendienst. „Da kommt schnell ein Mittelklassewagen zusammen“ ist dann doch bei der Kosteneinschätzung für ein Haustier etwas zu hoch gegriffen.

Viele wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass Haustiere für die Entwicklung der Kinder viele Vorteile erbringen. Pflege und Betreuung eines Tieres verlangen vom Kind Pflichtbewusstsein und Ausdauer und zugleich bieten sich viele Lernchancen und Erfahrungsmöglichkeiten. Ausführliche Hinweise dazu finden sich in den weiteren Beiträgen des Familienhandbuches und den unten angeführten Internetseiten.

In Verbindung mit den zusammengestellten Kosten und Aufwendungen für ein Haustier ist noch Folgendes in Betracht zu ziehen: Wenn Kinder und Jugendliche hoch motiviert sind, ein Tier zu halten und sich voller Begeisterung dem Tier widmen, dann sind sie auch ohne Zögern bereit, für dieses Hobby einen Teil ihres Taschengeldes und auch Geldgeschenke von Bekannten und Verwandten dafür zu verwenden. Mehr noch: Manche Pferdeliebhaberin trägt zusätzlich Prospekte aus und verteilt Werbezettel, um für ihr Pferd eine Bürste oder einen Pferdesstaubsauger kaufen zu können.

Bei der Kalkulation sollten Eltern auch folgende Tatsachen in Rechnung stellen: Während der fünfzehnjährige Sohn mit seinem Lieblingshund durch Wiesen und Felder streift, oder während die sechzehnjährige Tochter in der Reithalle mit ihrem Pferd neue Figuren probiert, hocken ihre Freunde und Freundinnen im Park oder auf dem Marktplatz herum und vertreiben sich die Zeit mit den neuesten In-Getränken oder versuchen ihr Glück am Spielautomaten. Diese Ausgaben fallen bei Kindern und Jugendlichen mit Tieren nicht an!

Wenn Kinder und Jugendliche sich intensiv und aufopferungsvoll um ein Tier über Jahre hinweg kümmern, so haben sie dabei viele wertvolle Erfahrungen gemacht und zugleich haben sie ihre freie Zeit sinnvoll verbracht. Gelegenheiten zum Rumhängen und das Herumziehen in Diskos und Bars, sowie die oft riskanten Experimente von Jugendlichen mit Alkohol und Drogen bleiben somit weitgehend ausgespart. Die Kosten für ein Haustier sind daher in der Regel gut angelegt. Weiterführende Informationen

Brauchen Kinder Haustiere? In: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Erziehungsfragen/s_1371.html

Kinder brauchen Tiere. In: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Erziehungsfragen/s_767.html

Ein Haustier fürs Kind: Hunde

Ein Haustier fürs Kind: Katzen

Ein Haustier fürs Kind: Meerschweinchen und Kaninchen

Ein Haustier fürs Kind: Ratten und Mäuse

Ein Haustier fürs Kind: Kanarienvogel und Wellensittich

Ein Haustier fürs Kind: Zierfische

Haustiere: Was kosten Hamster & Co?

Vom Umgang mit Haustieren

Wenn ein Haustier stirbt

Alle Beiträge sind zu finden in: http://www.wdr.de/tv/service/familie/serien/haustier.phtmlAutor

Michael Schnabel ist wissenschaftlicher Angestellter am
Staatsinstitut für Frühpädagogik
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Tel.: 089/99825-1929
E-Mail: Michael Schnabel